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Die Mauer im Rücken - so war unsere Tour zur Wiedervereingung

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Die Mauer im Rücken

"Warme Brüder und kalte Krieger"

Unser Queerlenker- Wiedervereinigungs- Wochenende 1.-3.10.2010

20 Jahre Wiedervereinigung – eine prima Vorlage für ein primaprima Wochenende!

Rund 35 Queerlenker fanden die Idee auch gut, mit unseren alten Schätzchen einmal Orte zu besuchen, die unzertrennbar mit der deutschen Teilung verbunden sind.

Fast alle reisten schon am Freitag an. Entsprechend groß waren Gejöster und Erzähl im Hotel beim gemeinsamen Abendessen. Man hatte sich schließlich länger nicht mehr gesehen, da gab es einiges zu bekakeln. Schön war, dass einige neue Gesichter mitgefahren sind und es in Zukunft sicher auch tun werden.

Der Samstag begann erst mal themenfremd, aber spannend: in der Stiftung Automuseum Volkswagen in Wolfsburg.

Ein regelrechter Boxeraufstand – alles, was man kennt. Die ganz frühen Käfer bis hin zum 1303 – aber auch all die Abkömmlinge wie den putzigen Fridolin, Modelle von VW do Brazil oder einfach Fun-Cars wie ein komplett in Korb eingefasstes Käfer-Cabrio. Dazu einige Prototypen, die zum Teil „Gott Sei Dank“ und zum Teil „leider“ nie den Markt erreicht haben. Auch Gölfe und Polen waren ausgestellt – für die meisten sicher eher der Vollständigkeit halber als wegen der Aahs und Oohs.

Danach wurde es spannend und so mancher spürte plötzlich die alte Beklemmung wieder.

Denn snser nächstes Ziel war der Grenzübergang und die heutige Gedenkstätte Helmstedt- Marienborn. Damals DER zentrale Grenzübergang auf dem Transit- Weg nach Berlin. Wir parkten da, wo sich vor der Wiedervereinigung die Autos stauten, wo ein Unrechtsstaat schon beim ersten Kontakt versuchte, Angst zu schüren. Wie und mit welchen Mitteln, das haben wir dann in der anschließenden Führung gesehen. Mit einem perfiden und genau vorgegebenen Zusammenspiel von Angst, Unsicherheit und psychischem Druck wurden alle Durchreisenden zu duckenden Mäuschen. Das reichte von der Patrouille mit Gewehr durch die wartenden Autos bis zur Komplettdemontage von Fahrzeugen und der Körperuntersuchung der Reisenden, außen UND innen. Wir konnten auf den ehemaligen Kontrollturm und in das Tunnelsystem der Anlage. Alles sehr spannend und alles sehr bedrückend. Beeindruckend auch die Daueraustellung mit den Zusammenschnitten, wie in Ost und West der Tag der Maueröffnung 89 mit den gelockerten Reisebestimmungen wahrgenommen und dargestellt wurde.

Nächster Mauerpunkt war die Anlage in Hötensleben. Dort hat man bewusst einige hundert Meter der Mauer und des Todesstreifen stehen lassen. Bei der Führung wurde dann noch mal so richtig aus dem Nähkästchen geplaudert. Es gab offene Münder und im Nachhinein Entsetzen, dass so etwas Ende des 20. Jahrhunderts in Europa noch möglich war. Beide Führenden kannten die Gegend und die Geschichte der Gegend. Anhand von persönlichen Schicksalen, über die sie berichten konnten, wurde schnell klar, dass politisch nichts an der DDR erhaltenswert war. Ein menschenverachtendes System, das seine Bürger eingesperrt hat, weil sie dem Staat sonst in Scharen davon gelaufen wären. „Damals war ja nicht alles schlecht“ - diesen Satz dürfte keiner mehr glauben, der bei den Führungen und Erklärungen dabei war. Der Preis für Arbeit und billige Wohnung war die Aufgabe der Bürgerrechte. War Unterdrückung der Meinung, war erlittenes Unrecht.

Voller Eindrücke und ein bisschen erleichtert ging es zurück zum Hotel. Bauernbuffet! Yamm Yamm. Es wurde noch viel geredet, auch über das Gehörte und Gesehene, es gab aber auch schon erste Fingerzeige auf neue Touren 2011 und natürlich einen dicken Applaus und ein leckeres Dankeschön an Thomas und Reimund, die die Tour über Monate organisiert haben, immer wieder umstricken mussten und trotz anderer Sorgen ein wirklich 1a- Queerlenker-Wochenende auf die Beine gestellt haben.

Die belgischen Pralinen als Nervenfutter kamen da gerade recht :-)

Der Sonntag war dann auch wettermäßig der Hammer. Strahlendblauer Himmel, eine Sonne, die noch mal alles rausholte, was ging.

Letzter Punkt unserer Tour: der VBV – der Verein Braunschweiger Verkehrsfreunde.

Auf dem ehemaligen Dampfkessel- Ausbesserungswerk der DB haben die VBVler einen Schuppen und Gleise angemietet. Dort stehen Dampfloks, Dieselloks, Waggons und Draisinen und alles wird von den Mitgliedern selbst gewartet und gepflegt. Bis hin zu Museumsfahrten und Charterzügen unter Dampf. Märklin XXXXXXXXL. Eisenbahn spielen für große Jungs. Thomas ist dort seit Jahren Mitglied und konnte also beim Erzählen aus dem Vollen schöpfen. „Watt is ön Dampfmaschin“ konnte danach wirklich jeder beantworten  Wink

Der Höhepunkt war aber nicht unter Dampf, sondern unter Diesel.

Thomas schmiess die V36 an – was an sich schon ein Erlebnis ist.

6 Zylinder, 12 Liter Hubraum. Pro Zylinder. Alles vorne an der Lok ist quasi Motor.

Dann ging es über den Rangierschlitten aufs Gleis und soviel Junx ins Führerhaus, wie passten. Thomas hat dann die dicke Trumm mit uns durchs Gelände gesteuert. Das Ergebnis: leuchtende Augen, auf die so manches Christkind neidisch sein kann.

Letzer und dann auch dringend nötiger Punkt war das gemeinsame Essen zum Abschluss in Drei Annen Hohne im Harz – immer begleitet vom Gepfeife und Gestinke der Harzer Schmalspurbahn, die direkt gegenüber mal so richtig Dampf ablassen konnte.

Ein Jahresabschluss, wie er schöner kaum sein kann und der schon ein bisschen traurig macht, dass es erst im April/ Mai weitergehen soll.

Danke an alle, die dabei waren, Danke an Thomas und Reimund, die das Beste aus diesem Wochenende herausgeholt haben.

Bilder folger asap.

Und auf Wiedersehen 2011. Die ersten Touren sind schon angedacht. Die Infos folgen wie üblich im gefürchteten präsidentiellen Jahresabschlussbrief.

Euer Ralf

 


Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 06. Oktober 2010 um 12:12 Uhr